Leider musste ich nach 240sm umdrehen

Die Bedingungen kurz nach dem Start hatten es in sich: Achterlicher Wind mit Böen bis 35 Knoten und Wellen bis etwa 3 Meter, ebenfalls von schräg hinten. Das sind anspruchsvolle Bedingungen, bei denen man keine gröberen Fehler machen sollte. Eleonore rauschte mit 7-8 Knoten Geschwindigkeit dahin, es war Segelgenuss pur! Einziger Vermutstropfen: Meine überaus geschätzte Windfahnensteuerung Marke Windpilot Pacific, die Eleonore bisher zuverlässig über mehrere tausend Seemeilen schlussendlich bis Fidschi gesteuert hat, funktionierte nicht. Kaum dass ich sie eingekoppelt hatte, lief das Boot buchstäblich aus dem Ruder. Keine Chance, damit zu segeln! Ich schrieb dies den harschen Bedingungen zu und machte mir nicht weiter das Leben schwer damit. Als der Wind ein paar Stunden später nachliess und sie sich immer noch nicht einsatzfähig zeigte, war der Fall klar: Ich hatte ein Problem, und zwar ein ernsthaftes!

Die Windfahne der Windpilot

Als sich nachts der Wind auf Windstärke 4 beruhigt und die Wellenhöhe keine besondere Bedeutung mehr hatte, demontierte ich die Windsteuerung (was nicht gerade dem Wunschtraum einer nächtlichen Nebenbeschäftigung entspricht, schliesslich musste ich doch auch noch ab und an ein Auge auf meine Haupttätigkeit richten, das Boot sicher über den Pazifik zu segeln) und zerlegte sie im Salon. Vielleicht hatte ich sie ja nach der letzten Zerlegung nicht korrekt zusammengebaut. Das Resultat war gleich Null. Wie zuvor begann die Anlage schnell anzuluven oder abzufallen. Nicht gerade die beste Voraussetzung, um endlich auch mal etwas Schlaf zu finden. So startete ich schon mal arg übermüdet in den zweiten Tag. Um die angespannte Stimmung zusätzlich noch etwas anzukurbeln, prognostizierten die neuesten Wetteraussichten Starkwind und hohe Wellen in kurzer Kadenz für den Bereich zwischen Vanuatu und der Torres Strait für den Zeitraum, indem ich dort segeln würde. Na gut, dachte ich, zur Not könnte ich in Luganville – was ein Port of Entry ist – einen Zwischenhalt einlegen, wenn weiterhin solch gefährliche Bedingungen vorhergesagt sein sollten.

Also zurück zu meinem Windpilot-Problem. Die Segelbedingungen waren easy und so konnte ich mich vollumfänglich dem Projekt Windfahnensteuerung-zum-steuern-bringen widmen. Es kam wie es kommen musste: Keine Lösung in Sicht, nicht einmal ansatzweise.

Was tun? Die Windpilot ist für mich als Einhandsegler essenziell. Ohne sie starte ich nicht in eine längere und zudem anspruchsvolle Segeletappe, wenn ich nicht muss und die Wahl habe. Klar steuert der elektrische Autopilot das Boot auch sehr gut. Aber was ist, wenn er plötzlich aussteigt? Hinzu kommt sein nicht zu unterschätzender Strombedarf. Und wenn der Strom ausfällt? Dann bin ich definitiv am Arsch!

Dass mir aus dem Himmel oder von wo auch immer in den nächsten Tagen die Lösung in den Schoss fallen würde, ist realistischerweise nicht anzunehmen. Da hilft auch eine positive, zuversichtliche Einstellung nichts. Es wäre schlicht eine Dummheit gewesen, weiter in Richtung Torres Strait zu segeln und auf das Beste zu hoffen. Die nächst liegende Möglichkeit, mich in Ruhe meinem Problem anzunehmen, lag in der Vuda Marina. Zum Glück entwickelte sich gerade eine Schwachwindphase zwischen meiner Position und Fiji. So war der Entscheid schnell – wenn auch überaus zähneknirschend – gefällt, die bereits gesegelten 240 Seemeilen wieder zurück in die Vuda Marina zu segeln, respektive zu motoren.

Und so erreichte ich knapp zwei Tage später, heute um 5 Uhr in der Früh, die Einfahrt zur Vuda Marina. Ein Segelkumpel hat sich in der Zwischenzeit mit meinem Problem an Chat GPT gewandt und siehe da, es ist ein durchaus bekanntes Problem, das sich bei älteren Anlagen einstellen kann und einfach lösbar sein sollte. So widme ich mich nun dann mit grosser Zuversicht und neuer Energie wieder meinem Windsteuerungsanlageprojekt. Und beim (wieder) Einklarieren hier in Fiji habe ich als nächsten Port of Call Luganville in Vanuatu angegeben. Falls die Vorhersagen zwischen Vanuatu und der Torres Strait wieder gefährlich sein sollten, habe ich damit für einen Zwischenstopp in Luganville schon mal den ersten Stein gelegt, Aber eben: Als Erstes benötige ich eine funktionierende Windsteueranlage.