Nahe am Supergau vorbei nach Darwin – ein Lob für meine Windpilot

Unglaublich, aber doch wahr: Kaum hatte ich Thursday Island hinter mir, piepst mein Autopilot und zeigt an: No data. Und damit einhergehend funktioniert der Autopilot nicht! Da geht nix mehr mit automatischem Steuern. Das ist bei einem Solosegler schon beinahe der Supergau.

Ich checkte die Kabelverbindungen des Netzwerks, wobei ich eine der NMEA 2000 Verbindungen deutlich nachziehen konnte, und siehe da, Problem gelöst. Der Autopilot übernahm seine Dienste wieder. Und ich war wieder happy! Uffff! Denn ich stellte mir lieber erst gar nicht vor, was wäre, wenn mir der elektrische Autopilot nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Das würde bedeuten, dass ich bei Fahrt unter Motor von Hand steuern müsste. Und natürlich auch bei sehr schwachen und/oder wechselnden Windverhältnissen, bei denen die Windfahnensteuerung nicht genutzt werden kann. NEIN, DAS DARF EINFACH NICHT SEIN!

Doch was nicht sein darf, kümmert es einen Dreck, ob es sein darf oder nicht. Und so piepste ein paar Stunden später der Autopilot wieder, als ich ihn bei wechselnden Windverhältnissen gerade wieder einmal in Betrieb hatte.

Nach einem Telefongespräch mit einem befreundeten Segler, der etwas mehr von der elektrischen Materie versteht als ich, war klar, dass mein Multiplexer defekt ist. Und zwar nicht reparabel! Er muss ersetzt werden. Der Multiplexer sammelt und verteilt die verschiedenen Daten wie GPS-Position, Wind, Bootsgeschwindigkeit etc. etc. und verteilt sie an die entsprechenden Instrumente. Als ich letztes Jahr in Panama die Betriebssteuerung des Autopiloten ersetzte, beachtete ich leider nicht den Multiplexer. Und genau dies wurde mir nun zum Verhängnis.

Ohne Daten nix Autopilot! Ich war von diesem Moment an somit zu 100% von meiner Windfahnensteuerung abhängig! So zuverlässig sie auch stets funktioniert, so kann durchaus auch einmal etwas sein damit. Dass zum Beispiel eine Steuerleine ersetzt werden oder sonst etwas gerichtet werden muss. Das durfte nun einfach wirklich nicht sein! Basta! Aber eben, was kümmert es …

Es war somit klar, dass ich den nächsten Hafen anlaufen musste. Der nächste Hafen war in Darwin. Zum damaligen Zeitpunkt etwa 650 sm entfernt. Die Wetteraussichten waren für meine Windsteuerung exzellent mit durchwegs Windstärke 5-7 aus der richtigen Richtung, und in der grossen Bucht vor Darwin abnehmend zu Flaute. Ich prüfte die Windsteuerung durch, ohne dass ich einen kritischen Punkt fand und war daher sehr zuversichtlich, dass das Alles schon gut kommt. Aber klar, trotzdem blieb ich etwas gestresst im Hinterkopf beim Gedanken an ein Problem mit der Windsteuerung.

Ich nahm wieder Kontakt auf mit der Cullen Bay Marina und informierte die Australien Border Force ABF entsprechend der Checkliste, die mir der ABF Offizier beim Ausklarieren in Thursday Island übergeben hat, „… just in case you have an emergency and have to return to Australia.”

Das Wetter hielt sich an die Vorgaben: Der Wind blies konstant stark aus SE, nur die Wellen waren zeitweise deutlich höher und heftiger als vorausgesagt. Aber auch dies war nie ein Problem für meine Windpilot. Sie steuerte das Boot zuverlässig durch dieses Abenteuer. Und auch ich machte einen guten Job. Auch bei selbstkritischer Nachbetrachtung sehe ich nichts, was ich hätte besser machen können. Schlussendlich gehört die Passage von Thursday Island nach Darwin zu den lässigsten, die ich bisher gesegelt bin. Wenn der Stress im Hinterkopf nicht gewesen wäre, hätte ich diese Tage richtig genossen.

Da war nur ein Schreckensmoment. Aber der war heftig! Die letzten 30 sm musste ich motoren. Nach etwa zwei Stunden begann der Kampf gegen die Müdigkeit. Ich gab alles. Plötzlich starb der Motor ab, war nur noch ein Grummeln. Elektrisiert, wie von einer Tarantel gestochen – so stelle ich mir dies jedenfalls vor – war ich hellwach. Und realisierte, wer eingeschlafen ist, war zum Glück nicht der Motor. Phuuu! Dieser Adrenalinkick hielt mich hellwach bis der Anker vor der Cullen Bay Marina unten war.

Morgenstimmung am 27. Juli

Das Einklarieren ging schnell und absolut unkompliziert über die Bühne; ebenso das Abtauchen des Rumpfs. Morgen früh geht’s durch die Gezeitenschleuse in die Marina. Mit Electronics Services, die zu den in der Marina zugelassenen Betrieben gehört, konnte ich einen Termin für morgen 10:00 abmachen.

Morgenstimmung am 28. Juli